Marie Gräfin von Fugger-Glött,

Erlaucht, geb. Reichsfreiin von Künsberg, auf Schloß Oberndorf, Schwabens Edelkönigin.

Diese so hochgebildete und geistvolle Frau, der Stolz und die Zierde der gesamten Schwäbischen Imkerschaar, welche zu ihr wie zu ihrer Königin, zu ihrer Edelkönigin emporschauen, erblickte das Licht der Welt den 5. Juni 1834 in dem fränkischen Bade Brückenau als die Tochter Seiner Excellenz des hochverdienten Herrn Regierungspräsidenten Freiherrn von Künsberg zu Regensburg. Während draus in den blumenreichen Gärten und duftenden Gefilden rings in und um das reizende Frankenbad die lieben Immlein schwirrten und summten vor heller Freude in der goldenen Zeit der herrlichsten Volltracht, begann drinnen ein Herz zu schlagen, das später den edlen Bienen sich so ganz erschließen und sie mit so inniger Liebe umfangen sollte.

Der sorgsam liebende Vater ließ diesem seinen hoffnungsvoll aufblühenden Kinde eine ganz ausgezeichnete Erziehung zu teil werden und vor dem frisch erfassenden Geiste des so ausgezeichnet begabten Kindes ward langsam durch bestgewählte Lehrkräfte das ganze Reich menschlichen Wissens und Könnens erschlossen. Mit ganzer Seele vertiefte sich das kleine Fräulein von Künsberg in den sprudelnden Wissensborn und erlabte im gleichen Maße Geist und Gemüt an der überreichen Nahrung, die liebende Sorgfalt und treue Hingabe ihr bereit hielten.

Und so öffnete denn die hohe Dame eines Tages, bezwungen von der Macht des Eindruckes, auch der kleinen Honigbiene ihr Herz und ihren Sinn und seitdem ist sie eine begeisterte Verehrerin, eine treue Pflegerin des merkwürdigen Insektes geblieben. Nicht nur daß sie alles, was theoretisch und empirisch über die Biene bekannt ist und wurde, mit nie erlöschendem Eifer und unablässiger Begeisterung in sich aufnahm, o nein, die hohe Dame stieg herab von den Treppen ihres Vaterhauses, von den glänzenden Gemächern ihres Schlosses, um mit eigener Hand zu hegen, was das Herz sich erkor, um mit nie ermüdender Sorgfalt, eine echte, wahre und treue Imkerin, ihre lieben kleinen Bienen zu pflegen. Kein Regentag und keine Sonnenglut und kein Winterfrost hielt die hohe Frau ab, nach dem Wohl ihrer Lieblinge, wie eine treue Mutter, zu sehen, und im gesamten Gebiete der Bienenzucht und der Bienenpflege gibt es keine Arbeit, welche Ihre Erlaucht gescheut hätte, wenn es galt, den Bienenstand würdig zu versorgen und die Bienenzucht in der Weise der besten Forscher zu betreiben. Ja, die edle Gräfin verstand es zu jederzeit meisterhaft., sowohl ihren eigenen Bienenstand völlig selbständig und in eigener Person zu versorgen, als auch namentlich mit besonderer Kunst und Eleganz aus den Produkten der Bienenzucht die verschiedensten Leckerbissen und Delikatessen herzustellen. Man sagt, daß auch an ihrem glänzenden Vermählungstage mit seiner Erlaucht dem Grafen Ernst von Fugger-Glött an der herrlichen Tafel die Honigerzeugnisse nicht gefehlt hätten.

Und so verstand es denn die hohe Frau, ebenfalls auch ihren hochedlen Herrn Gemahl für die Biene zu interessieren und sein warmes Herz für unsere gute Imkersache zu gewinnen, so daß seine Erlaucht zeitlebens der Biene sowohl als der Bienenzucht ergeben blieb. Leider war der hochedlen Imkerin nur allzufrüh der gräfliche Gemahl durch den grausen Tod entrissen. Wie manche Stunde des Trostes mögen zum Danke für die liebende warmherzige Pflege ihr da die Bienen gewährt haben. Arbeit ja allein schon hilft dem gequälten, trauernden Herzen über vielen Kummer hinweg; um wie viel mehr muß das eine Arbeit thun, die zugleich die Kräfte des Geistes und des Körpers in so hohem Maße anspricht und erquickt und durch ihre geheimnisvollen Tiefen in Entzücken versetzt, wie dies ja bei der Bienenzucht, bei der zugleich mit Herz und Verstand betriebenen Bienenzucht der Fall ist.

Ihre Erlaucht Frau Gräfin Marie von Fugger-Glött besitzt in ihrem prächtigen Schloßgarten zu Oberndorf ein stattliches Bienenhaus, aus welchem zur Zeit fünfundzwanzig bestgepflegte Völker aus und einfliegen. Wie gesagt, nimmt die hohe Frau alle Verrichtungen mit eigener, hochedler Hand vor und vom ersten Flugtage bis zum Tage der Einwinterung weiß sie alles mit gleicher Sachkenntnis und gleichem Geschicke in sinniger und bester Weise zu bewerkstelligen. Um in steter Fühlung mit der guten Sache der Imkerei selbst und deren besten Meistern, sowie auch mit den benachbarten Bienenzüchtern zu bleiben, entschloß sich die hohe Frau, dem Donauwörther Bienenzüchterverein als Mitglied beizutreten, dem sie so zur höchsten Zierde gereicht.

Aber auch aus dem engeren Rahmen trat die hohe Frau heraus mit den herrlichen Produkten ihrer so vorzüglich betriebenen Imkerei und nach Ausweis einiger Ausstellungskataloge finden wir sie auch als Ausstellerin vertreten, so namentlich im Jahre 1886 in Augsburg auf der dortigen bienenwirtschaftlichen Ausstellung, wobei sich ihre Gruppe 6 und 8 nicht bloß der besonderen Aufmerksamkeit und Bewunderung des Publikums und namentlich der Bienenzüchter erfreute, sondern geradezu auch das Auge der hohen Jury auf sich zog, so daß durch Auszeichnungen von Seiten des Preisrichteramtes die hervorragende Thätigkeit unserer hohen Imkerkollegin die wohlverdienteste Würdigung fand.

Möge diese hohe Frau, die Ehre und Zier der schwäbischen Imkerschaar, der kleinen Biene und ihrer Pflege sowie der ganzen, gemeinsamen Imkersache ihre treue Liebe bewahren und noch auf viele, viele Jahre hinein allen Irnkern Schwabens voranleuchten als glänzender Stern am Himmel der lieben kleinen Biene!