Münchner Intelligenzblatt ; Samstag den 26. Jäner 1799
Bienenzucht.
Monatliche Behandlung derselben im Jäner
Im Monate Jäner, wo fast allezeit die kälteste Witterung ist, giebt es bei den Bienen sehr wenig Behandlungen, ausgenommen bei den Stöcken, welche im Herbste von den Bienenwirthen wegen geringer Sommerweide an Honig, wie selbe erst im vergangenen nächsten Sommer in vielen Gegenden war, nicht hinlänglich bis zu völligen Ausflug, oder Aussetzzeit versorgt worden sind. Auf diese also mus man zu allen Zeiten wegen dem Futter ein wachsames Auge haben, wenn man sie nicht verlieren will. Bei solchen Zeiten seine Bienen füttern, ist schwer, und gefährlich. Hat man vorräthigen Honig in Fladen, wie es auch seyn sollte, so läßt sich die Sache noch bequem machen: muß man aber mit gesäumten oder ausgelassenen Honig selbe füttern, so ist öfters Mühe und der angewendete Honig samt den Bienen verloren. In Wintermonaten nehme ich bei meinen Bienen nie eine Fütterung vor, entweder versorge ich solche im Herbst mit Honig hinlänglich, oder ich copulire, oder vereinige solche Heurige mit anderen Guten, welche ihr Auskommen haben, und so laufe ich selten Gefahr.
In hölzern Lagern, welche zwar in Baiern bei wenigen Bienenliebhabern Beifall finden, weil solche eine neue Art, und nicht nach dem alten Schlendrian von Stroh gemacht sind, läßt sich die Fütterung derselben mit jeder Art des Honigs leicht, und zu jederzeit unternehmen, ohne die Bienen viel rege zu machen. Man nimmt mit Beihlfe eines Messers das hintere Futter ganz sanft heraus, hat man Fladen Honig, so leinet man solches nur an den Wachsbau des Stockes, hat man gesaumten Honig, so vermischt man solchen mit einem Drittel ganz laulichten Wasser, und setzt solchen in dazu bestimmten Nürscheln oder Tellernmit eingelegten Strohhalmen, oder Holzsplittern eben dahin, sobald die Bienen vom laulichten Honig den Geruch bekommen, so laufen sie unmittelbar dahin, und tragen solchen in ihr Nest, oder Winterquatier.
Die Strohkörbe aber, gleichwie sie zu den meisten Behandlungen ungeschickt sind, sind bei dem Futtern zu allen Zeiten die unbequemsten. Will man die Bienen mit Fladen futtern, und selbe einspändeln, so muß man den Korb umwenden, und also durch das Herausschneiden der leeren Wachsrosen die Bienen rege machen, wobei oft besondern im Winter viele zugrunde gehen. Mit flüssigem Honig ist es noch beschwerlicher. Man muß die unteren Fladen eine queere Hand hinauf abstutzen, um ein Futterteller oder Nürschel hineinstellen zu können. Ist die Witterung sehr kalt, so wollen die Bienen ihr Nest nicht verlassen, und, gehen sie herab, so bleiben oft die meisten erstart auf den Futterhonig sitzend, und gehen doch mit den übrigen zu Grunde. folgendes Mittel könnte noch am füglichsten den sicheren Zweck erreichen. Man schneidet nämlich sschon im Herbstmonate oben in der Krone des Strohkorbes eine runde Oeffnung von 5 bis 6 Zohl breit, auch schneidet man das Wachs ein wenig aus, um eine Höhlung zu bekommen. In diese Oeffnung also legt man ein Stücklein dine, durchsichtige Leinwand, macht solche an dem Korbe entweder mit kleinen Nägeln, oder guten Leinen fest, und legt dann den ausgeschnittenen Deckel wieder darauf, und verstreicht selben bis zur Fütterung. sollte man also in diesen oder vorigen Wintermonate füttern müssen, so schüttet man alle Woche zweimal etliche löffelvoll warmen laulichten Honig in, und auf diese Leinwand, welcher dann durchträufelt. Sobald dieß die Bienen verspüren, und rüchen, so laufen sie dahin, und hollen mit ihren Zungen allen Honig rein hinweg.
Bei den christisch-hölzernen Kästen kann man eben so verfahren, wenn in dem oberen Deckel eine Oeffnung angebracht wird.
Ist die Kälte stark und anhaltend, so muß man solche Futterstöcke mit Stroh oder anderen Decken, auch alten Lumpen, und im Nothfall mit Grumat bedeckt halten. Sind aber alle Stöcke voll, und die Bienen über den Winter bis zum Ausflug in dem März versorgt, so lasse man sie doch mit Ruhe, allein die üble Gewohnheit der Bienenwirthe, und Landleute in Baiern ist hart zu vertilgen, sie wollen dieß entweder aus Gewinnsucht des Honigs, oder aus Unwissenheit einer anderen, und im Frühjahre vorzunehmenden Behandlung nicht unterlassen, wenn sie auch oft schon ihren größten Schaden daraus gezogen haben. Allezeit in diesem Monate, und bei der größten Kälte, wenn die Bienen ohnehin gleichsam halb erstart in ihrem Neste sitzen, reißt man die besten und schweresten Stöcke, welche man im Herbste nicht abgetödtet, und zum Zügel bestimmt übrig gelassen hat, auf, legt die Körbe auf die Krone, und reißt dann gewaltsam jene Fladenhonig herauf, auf welchen die wenigsten, oder gar keine Bienen sitzen, hiebei ist oft eine völlige Masaker. Indem die Bienen rege gemacht werden, laufen sie aus allen Fladen heraus, der beistehende Gehilf muß mit dem Hut wecheln, und Winde machen, wobei aber in der Eile des Herausreissens so viele Bienen zu Grunde gehen, daß ich nicht einmal diesen Gräul der Verwüstung niederschreiben mag, indem er unserer Bienenzucht keine Ehre bringt.
Bei dieser Behandlung wird oft den Bienen ihre Nahrung für das Frühjahr so geschmälert, daß sie erst im April, oder may, wo nicht eher , zu Grunde gehen müßten. Wider diese Behandlung ist zwar im baierischen Codes ein Geboth, aber ohne Beobachtung.
Wenigsten soll man in Wintermonaten alle Woche einmal seine Bienen besuchen, wofern sie nicht gänzlich von Mäusen gesichert sind. Denn die Mäuse sind im Winter für die Bienen die übelsten Gäste, sie bringen oft den besten Stöcken ihren Untergang. Man darf nur ganz leise in die Bienenstube, oder Einsatzkammer hineingehen, und etliche Minuten stille stehen. Sind Mäuse vorhanden, so werden jene Stöcke, worin sie sich befinden, vielmehr, und särker sumsen, als andere, und man hört auch gleich meistens die Mäuse darinn an dem Wachse nagen. sollte man einige entdecken; so hebt man den Korb auf, und sucht an denselben die Öffnung, wodurch sie den Eingang genommen haben, verstopft selbe mit Lumpen, trägt den Korb ganz stille von seinem Orte, und setzt ihn außerhalb der Bienenhütte, oder Kammer auf den Boden nieder, setzt ein leeres Bodenbrett darneben, hebt den Korbe ganz leise auf, so werden die Mäuse gleich herauslaufen, welche man entweder selbst, oder durch einen beygerufenen Gehilfen tödten läßt. Den Bienenkorb stellt man alsogleich auf das andere Bodenbrett, und trägt ih wieder an seinen gehörigen Ort.
Ein Bienenwirth soll immer 2 und 3 auch mehrere Mausfallen nach Umständen des Orts aufgestellt halten, wovon es verschiedene, besonders die in dicke Stücke Holz gebort sind, gibt, wo mit durchgezohenen Zwirn aufgericht, und ohne Geräusche und Schlag die Mäuse gefangen werden.
Sollten etwan im Jäner an manchen Gegenden gelinde schöne Tage einfallen, an welchen die Bienen stark zu brausen anfiengen, so könnte man selbe fliegen lassen, aber höchstens nur 2 Tage. Seit 15 Jahre habe ich wegen günstigem Wetter nur ein einzigesmal Gelegenheit zum Ausflug gefunden, sonsten aber allezeit bis in März eingesetzt und verschlossen gehalten.
Der Ausflug schadet zwar nichts sondernes sit sehr gut, wenn sich die Bienen reinigen, können; besonders wenn selbe wegen Diebereyen, wie es in Baiern fast jährlich gechieht, frühzeitig im Herbst sind eingesetzt worden.
Dieser Unterricht bey den Bienen sollte für den Jäner hinänglich seyn. ein fleißiger Bienenwirth wird selbst Sorge tragen, das bey Vernachlässigung derselben, oder durch selbe weder ihm noch den Bienen ein Nachtheil zufließe, und die Zeit und Umstände in Acht nehmen.
Die Achtung der Welt kann man erschleichen, aber eigene Achtung muß man verdienen.