Antoinette Grundner,

königl. Brandversicherungs-Inspektorsgattin in Kempten.

Diese würdige Gattin unseres allverehrten zweiten Vereinsvorstandes, des kgl. Brandinspektors Grundner in Kempten, ist auch von Geburt aus unsere engere Landsmännin. Sie ist nämlich die Tochter des kgl. Bezirksamtmannes Ruchti von Erding und ward geboren zu Donauwörth im Jahre 1845. Da der Herr Bezirksamtmann mit Bienen nichts zu schaffen hatte, Stand auch dessen Tochter in den Kinder- und Jugendjahren der Imkerei gänzlich ferne und besaß statt Kenntnis m der Bienenzucht, statt Lust und Liebe für die Biene, eigentlich eher das Gegenteil, wozu ein in den Kinderjahren erhaltener Bienenstich das meiste beigetragen haben mag. Doch das Honigtöpfchen wurde schon damals nicht verschmäht und blieb in den Zeiten der Bienenfeindseligkeit bei Fräulein Antoinette immerhin so ein gewisses Bindeglied zwischen ihr und der stechseligen, bösen Biene.

Und Vielleicht aus diesem einen Grunde hatte auch später der Gatte unschwere Mühe, leichtes Spiel, als er schon in dem ersten Jahre der so äußerst glücklichen Ehe, selbst ein der Biene so ergebener Verehrer, auch seine junge Gemahlin für die Imkerei gewinnen wollte. Es gelang ihm über alles Erwarten rasch, ihr Interesse für das Leben und Wirken der Biene in hohem Grade zu wecken und sich eine verständige und eifrige Gehilfin für seine Bienenzucht in ihr heranzuziehen. Wie klein und gering erschien ihr da das einst so gefahrvoll Drohende an der Biene gegenüber dem Zauber, der mächtigen Gewalt, die das Geheimnisvolle ihres Wesens, ihres Haushaltes, ihres Staatslebens auf den Wissenden ausübt. Und so war Herz und Sinn der jungen Frau im Sturmesflug für die Biene gewonnen, in gleichem Maße aber auch die Ängstlichkeit und Furcht vor dem geflügelten Süßigkeitsbringer geschwumden. Wie viele Stunden herrlicher Muße, ernster Beobachtung, eifrigen Schaffens verbrachten die beiden zusammen am Bienenstände, und die Biene ward gleichsam ein wundersames Band, das die Herzen der beiden noch enger knüpfte!

So nahm denn Wissen und Können im Bienenfache bei Frau Grundner von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag und von Jahr zu Jahr bei dieser gemeinsamen eingehenden Belehrung und Ausübung in gewaltigem Maße zu, so daß sie das ganze Gebiet mit derselben Tüchtigkcit, wie ihr Haus und ihre Küche, beherrschte. Bald aber sollte sich auch Gelegenheit finden, wo Sie echte und rechte Probe von ihrem Gelernten ablegen und als völlig selbständige Imkerin sich auszeichnen konnte.

Der Beruf des Herrn Gemahls hatte es so gebracht, daß er einmal, und zwar gerade in der Zeit der Volltracht und des Schwärmens längere Zeit von Hause abwesend sein mußte. Bevor er schied, empfahl er seine Lieblinge seinem Liebling: — als er heimkehrte, konnte ersehen, daß seine Frau ganz das geworden war, was er aus ihr hatte machen wollen, eine gleich treuliebende und verständnisvolle, praktische Bienenmutter. Hei! wie das alles so sein geordnet, so sauber gerichtet, so prächtig gethan war! Und Arbeit hatte es abgesetzt für die arme Frau, — viele, große Arbeit! Vierzehn neue Völker hatte unterdes die Frau auf dem Stande untergebracht und alles, was darum und daran zu thun gewesen war, mit eigener Hand hatte alles in treuer Besorgnis Frau Grundner mit Glanz vollendet. Freilich hatte es den zarten Händen auch Stiche geregnet, — die Bitterkeiten aber vergaß Sie ob der Freude und dem Entzücken, daß sie im Geiste schon aus ihres heimkehrenden Gemahls Antlitz leuchten sah. Und alles war auch aufs beste besorgt, als Herr Grundner heimkehrte. Die in so großer Anzahl gefallenen Schwärme standen wohlversorgt im Stande, Weiselzellen waren entfernt, Drohnenbrut ausgeschnitten, die Honigräume standen in bester Verfassung und aus den Honigtöpfen lachte mit goldigem Schimmer und in köstlichstem Aroma duftend eine ungeahnte Fülle neuen Honigs, den Frau Grundner selbst entnommen, selbst entdeckelt, selbst geschleudert hatte. War das nicht so die rechte Imkerprobe? Und wir glauben und hoffen, daß der gestrenge Herr Gemahl feinem Zöglinge einen flotten „I" dafür ins Zeugnis geschrieben hat. Wenn er's nicht that, so war er ein ungerechter Richter und verdiente eigentlich nicht, daß wir ihn zum II. Vorstande des Schwäbischen Kreisvereins erhoben haben; denn „Wenn das am grünen Holze geschieht, was wird er mit dem dürren machen", das will sagen, „Wenn er da seinem herzeigensten Weibe seinen Einser gab, was wird er uns für Noten geben, wenn er, im Preissgerichte sitzend, mit kritischem Blicke unsere Thaten und Werke mustert?"

Und Seit jenen Prüfungstagen steht denn Frau Grundner ihrem Manne in allen Arbeiten, welche die edle Imkerei erfordert, unermüdet und unentwegt zur Seite und gar oft schon hat seit jener Zeit die durch den Beruf so oft bedingte Abwesenheit dss Herrn Brandinspektors es erfordert, daß die gute Frau Brandinspektorin die gesamten Pflichten und Thätigtkeit am Bienenstande übernehmen mußte. Es war der edlen Bienenfreundin aber nie eine Last oder eine Bürde, sondern jeder neue Tag ureigenster Thätigkeit mit der Honigbiene war eine neue Freude, neues Glück und ein neues Band, das sie an den kleinen gefllügelten Liebling auf alle Ewigkeit verkettete.